Referent: Dipl.-Ing. Heiner Höfer

Zusammenfassung des Vortrags vom Freitag, 08. Juni 2007
im Studentenhaus Lynarstraße

Globalisierung – das ist ein schillerndes, stereotypes Schlagwort, das zurzeit reichlich Konjunktur erlebt.

So wird Globalisierung sporadisch als Synonym für die zunehmenden wirtschaftlichen, kulturellen, politischen wie auch umweltbezogenen Entfaltungen in der Welt verwendet. Gemeinhin werden mit der Globalisierung aber auch komfortabel Steuerungsprobleme der Politik begründet, oder aber sie wird als normativer Begriff genutzt, der, je nach Perspektive, Ablehnung oder Zustimmung signalisieren soll. Ungeachtet des inflationären Gebrauchs des Begriffs, scheinen die wesentlichen Auswirkungen der Globalisierung nicht umfassend bestimmt. Was also ist das Besondere am Wesen der Globalisierung in Abgrenzung zu vertrauten Begrifflichkeiten wie z.B. der Internationalisierung oder Multinationalität?

Einigkeit besteht darin, dass es sich nicht einfach um einen Megatrend, eine Managementphilosophie oder Umwälzungen gar mit dem Charakter einer Revolution handelt. Dennoch, die Folgen der Globalisierung sind allenthalben spürbar. Globalisierung scheint eine unausweichliche Realität, ein unaufhaltsamer, längst noch nicht abgeschlossener und alle Bereiche unserer Gesellschaft beeinflussender Prozess. Sie wird unser Leben nachhaltig verändern.

Ökonomisch betrachtet ist Globalisierung schlichtweg eine Reaktion von Unternehmen, Institutionen oder Gesellschaften auf die zunehmenden Möglichkeiten und Verflechtungen einer sich öffnenden Welt. Neue Chancen aber auch Risiken werden evident. Mediale Würdigungen faktischer Entwicklungen andererseits, wie die Metapher von umherziehenden „Heuschrecken“, von unablässigen Arbeitsplatzverlagerungen, über die zunehmende Verbreitung virulenter Infektionskrankheiten oder des sich stetig ausbreitenden Islamismus leisten regelmäßig einen Beitrag zu überspitzten Angstdebatten. Zur gründlichen Beleuchtung des Phänomens taugen sie kaum, erfassen oft nur ein Symptom und stützen allenfalls die Aussichtslosigkeit regulativer Eingriffe.

Unterbaut von rasanten technologischen Entwicklungen, insbesondere im Bereich der Kommunikations- und Transporttechnologien, entstehen demgegenüber für einen Großteil der Menschheit verschwenderisch viele Möglichkeiten des eigenen Handels und Erlebens. Touristische Möglichkeiten erweitern sich, Produkte werden billiger, Dienstleistungen scheinen kaum mehr an Ort und Zeit gebunden. Unternehmen können sich unterschiedliche Kulturen, Zeitzonen und politische Rahmenbedingungen nach Belieben zu Nutze machen.

Wenn also Globalisierung ein unaufhaltsamer Prozess ist, wohin wird dann unsere Reise gehen? Wie werden sich Unternehmen, wie wird sich unsere Gesellschaft verändern? Wie werden wir uns als Individuen verändern (müssen)?

Entwickeln wir uns möglichenfalls zu einer Art Weltgesellschaft?

Dem entgegen spricht, dass die Perspektiven einer sich öffnenden Welt zu einer zunehmenden Individualisierung zu führen scheinen. Althergebrachte Strukturen und Organisationen verlieren an Bedeutung und werden ohne deren Anempfehlung durch moderne Netzwerke ersetzt. Kulturelle Ausdrucksformen lösen sich von ihrem ursprünglichen Ort und zirkulieren im globalen Raum. Gemeinschaften werden entgrenzt, mutieren zu einer Art Hyperkultur.

Gleichzeitig erwachsen neue Probleme und der Charakter der zu lösenden Herausforderungen verändert sich rapide. So sind verschiedene soziale Systeme in ihrer Globalisierung unterschiedlich weit entwickelt. Wirtschaft, Kriminalität oder die Unterhaltungsindustrie haben sich bereits global deutlich weiter entfaltet als korrespondierende Systeme wie z.B. das Rechtswesen, die Möglichkeiten zur Mitbestimmung oder Bildungssysteme. Manche Staaten suchen indes den Entwicklungen durch die Wiederbelebung allbekannter Methoden wie etwa Zölle und Subventionen oder mit verstärkten Visumspflichten zu begegnen.

Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit des Ressourcenverbrauchs aus? Werden wir der einhergehenden starken Belastung und Veränderung unserer Umwelt Herr?

Deutlich wird, dass die Ressourcen, die den Motor der Globalisierung antreiben, weltumspannend deutlich ungleich verteilt sind. Auch deren Ausbeutung stellt uns vor völlig neue Herausforderungen, die bereits zu ersten ernsthaften Konflikten geführt haben. Die Welt scheint sich in Gewinner und Verlierer des Prozesses Globalisierung aufzuteilen.

Gibt es einen ganzheitlichen Ansatz zu Lösung der Probleme?

Erkenntnistheoretisch wird deutlich, dass Ganzheitlichkeit lediglich eine regulative Idee ist, die keine wirkliche Antwort auf größte Komplexität findet. Mehrperspektivische Annäherungen erscheinen als einzig sinnvolle Möglichkeit, dem Problem näher zu kommen, ohne es wirklich beherrschen zu können.

Konkrete Beispiele von Unternehmen, die sich längst den Herausforderungen der Globalisierung stellen – davon noch wenige hierzulande – und als Global Player verstehen, liefern einen besonderen Einblick in diese neue Welt. Globale Netzwerke, in stetem Wandel begriffen und von erstaunlicher Dynamik geprägt, sind Werkzeuge unternehmerischen Handelns geworden. Zur Unterstützung dieser Entwicklung hat sich ein nicht minder dynamischer, ehrgeizig wachsender Dienstleitungssektor aufgestellt.

Die Pfade unserer Welt werden neu beschritten, und dies nicht nur von West nach Ost. Die neue Welt nimmt ihr Schicksal bereits selbst in die Hand.