Referent: Dipl.-Ing. Achim Munzinger
Vortrag von Donnerstag, 15. Januar 2009 im Studentenhaus Lynarstrße
Public Privat Partnership / Öffentlich Private Partnerschaften (PPP/ÖPP) stehen laut Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung für modernes und effizientes Verwaltungshandeln. Sie sind auch Teil der Innovationsoffensive der Bundesregierung und verfolgen das Ziel, durch eine langfristig angelegte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und privater Wirtschaft öffentliche Infrastrukturprojekte effizienter zu realisieren. Neu soll dabei ein Lebenszyklusansatz sein, der Planen, Bauen, Finanzieren und Verwerten z.B. einer Immobilie in einem ganzheitlichen Ansatz optimiert.
Der PPP Ansatz bei Baufolge- und Investitionskosten von Gebäudetypen basiert auf dem Umstand, dass sich die Betriebskosten eines Gebäudes über die gesamte Lebensdauer betrachtet bis zum sieben- bis zehnfachen der Investitionskosten summieren können. In der Gesamtschau eines Immobilienlebens sind es daher in der Regel nicht die Investitionskosten, sondern die Betriebskosten, die im Wesentlichen für die Lebenszykluskosten einer Immobilie ausschlaggebend sind.
Der PPP-Lebenszyklusansatz versucht daher, wirtschaftliche Potentiale dadurch zu generieren, dass die am Bau und Betrieb beteiligten Unternehmen bereits in der Planungsphase Einfluss nehmen und dadurch ein gesamtwirtschaftlich optimiertes Gebäude erstellen. Hintergrund ist, dass schon in der Planungsphase 50 – 80 % der späteren Betriebskosten definiert und festgelegt werden müssen. Insbesondere bei Schulen können die jährlichen Betriebskosten bis zu 30% der gesamten Investitionskosten betragen. Ähnlich ist dies bei Krankenhäusern, Hallenbädern und Kindergärten. Aber auch bei Verwaltungsgebäuden übersteigen die Betriebskosten nach wenigen Jahren die Gesamtinvestition.
Bei der Vielgestaltigkeit der möglichen Anwendungsfelder fehlt es noch an einer allgemein anerkannten Definition. PPP kann sowohl vom Sinn als auch vom Begriffsinhalt nur dann einschlägig sein, wenn alle Partner ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und Stärken umfassend und gleichberechtigt einsetzen können.
PPP ist also die „langfristig vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen Öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, bei der die erforderlichen Ressourcen (z.B. Know-how, Betriebsmittel, Kapital, Personal etc.) von allen Partnern zum gegenseitigen Nutzen in einem gemeinsamen Organisationszusammenhang eingestellt und vorhandene Projektrisiken entsprechend der Risikomanagementkompetenz der Projektpartner optimal verteilt werden.“
Der Referent ging nach der grundsätzlichen Definition auf die verschiedenen Vertragsmodelle (Verfügbarkeitsmodell, Konzessionsmodell und Gesellschaftsmodell) ein und erläuterte die Risiken, aber auch die Chancen bei diesen Modellen. Dabei ist die Komplexität mancher Bauvorhaben kritisch auf die Grenzen von PPP zu untersuchen.
Grundsätzlich scheinen u. a. die Projektkontrolle durch die Behörden, die Plausibilität der Wirtschaftsvergleiche einschließlich der angewandten Finanzierungsmodelle, die Fragen nach einer funktional präzise ausgerichteten Leistungsbeschreibung, eine sichere, zukunftsorientierte Definition der zu erbringenden Betriebsleistungen als Voraussetzung für eine tragfähige Wirtschaftsprognose nur dann zu einer Projektoptimierung führen zu können, wenn der Begriff „Partnership“ im Sinne seiner Bedeutung gelebt wird.
Ein spannender Vortrag, der durch ein lange lebhaft diskutierendes Auditorium von mehr als 30 Teilnehmern beendet wurde.