Referent: Prof. Dr. Peter-D. Hansen
Vortrag von Donnerstag, 04. Dezember 2008 im Studentenhaus Lynarstraße


Es werden bisherige und zukünftige biologische Experimente im Weltall am Beispiel eines aktuellen Forschungsvorhabens diskutiert und ein zukunftsorientiertes Arbeitsgebiet „Astrobiologie“ vorgestellt.

Das hier vorgestellte Forschungsprojekt liefert einen Beitrag zur Risikoerfassung von immuntoxischen Effekten bei Astronauten unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit und der Strahlung bei Langzeitmissionen in der Raumfahrt. Es werden längerfristige Wirkungen von Weltraumbedingungen auf das Immunsystem sowie auf das Erbgut untersucht.

Ziele
Als Schlüsseleigenschaften des Immunsystems höherer Organismen wie zum Beispiel des Menschen gilt die Aufnahme von „als fremd erkannte Partikel“ und deren Zerstörung mittels „Oxiradikale“ (wie man sie z.B. u.a. beim Genuss von Rotwein erfährt); den Vorgang nennt man Phagozytose und kann ihn quantitativ durch die hierbei produzierten Lichtblitze (Chemilumineszenz) erfassen.

Das Immunsystem der Wirbellosen, z.B. der vor unseren Küsten vorkommenden Miesmuscheln, ist entwicklungsgeschichtlich älter als das des Menschen, und die Blutzellen (Hämozyten) als Träger des Immunsystems sind funktionell viel weniger stark spezialisiert als beim Menschen. Die Hämozyten der Muscheln eignen sich daher besonders gut, die verschiedenen Mechanismen der für den Menschen überlebenswichtigen Vorgänge zur Immunabwehr (hier am Beispiel der Phagozytose) zu verfolgen. Dieses soll im Orbit im bemannten BIOLAB-Labor (Columbus) auf der Internationalen Raumstation ISS im Jahr 2009 durchgeführt werden.

Verwertungsplan
Es wird daher ein terrestrischer Verwertungsplan des entwickelten immunologischen Prüfsystems über die Raumfahrt hinaus erstellt. In der Umweltprüfung haben sich die Testkomponenten des Prüfsystems zur Erfassung von immuntoxischen Wirkungen von Umweltproben bereits bewährt. Die bisher geprüften Umweltproben sind aus dem Bereich der Abwasser-Emission und immuntoxischen Wirkstoffen in Küsten- und Binnengewässern. Ein interessanter Anwendungsbereich ist die Früherkennung von Biotoxinen (Red Tides) in Küstenzonen (Muschelvergiftungen). Die erfolgreichen Arbeiten zur „Gefrierkonservierung“ der Immunzellen ermöglichen es, ein automatisiertes „real time“ in-situ Prüfsystem zum Monitoring von Küstengewässern und der Hohen See zu entwickeln.

Kontakt
Prof. Dr. Peter-Diedrich Hansen
TU-Berlin, Fakultät VI,
Institut für Ökologie,
Fachgebiet Ökotoxikologie
Franklinstrasse 29 (OE 4)
10587 Berlin
Tel.: +493031421463
Fax: +49308318113
peter-diedrich.hansen@tu-berlin