Referent: Dr.-Ing. Jörg Niemeier
Zusammenfassung des Vortrags vom Freitag, 11. Mai 2007
im Studentenhaus Lynarstraße
ATN entwickelt, produziert und vertreibt Komponenten, Systeme und Software für die Elektronikfertigung und ist Marktführer für Lichtlötsysteme zum automatisierten Einzelpunktlöten. Die gefertigten Anlagen setzen z. B. bei der Produktion von Ölsensoren für Kraftfahrzeuge, Batteriesteckern für Handys oder Füllstandssensoren für Waschmaschinen jeweils etwa zwei Lötpunkte automatisch. Die Anlagen müssen individuell für den jeweiligen Produktionsprozess entwickelt und gebaut werden.
Zur Globalisierung der Elektronik-Produktion hob Dr. Niemeier u. a. hervor, dass bei Verlagerungen der Produktion Faktorkosten und die Erschließung neuer Märkte die Hauptfaktoren sind, bei der Rückverlagerung sind dagegen die Entwicklung der Faktorkosten (z.B. starke Verminderung des Lohngefälles) und Qualitätsprobleme oft ausschlaggebend. Für beide Prozesse ist die Qualität und die Differenzierung der Infrastruktur am Produktionsstandort besonders wichtig: Verkehrsinfrastruktur für Personen und Waren, Kommunikationsinfrastruktur. Nach Untersuchungen des Fraunhofer Institutes wurden von 1995 bis 2003 jeweils etwa 5 % der verlagerten Produktionen innerhalb von zwei Jahren zurückverlagert.
ATN hat mit seiner Produktion eine gewisse Sonderstellung: Nach Lieferländern betrachtet werden 30 % der Anlagen exportiert, nach Auftraggebern betrachtet sind es nur 5 %. Die Kunden von ATN verlagern also teilweise ihre Produktion nach Osteuropa, damit muss ATN für diese Kunden Anlagen in diesen Raum liefern, dort in Betrieb nehmen und warten. Anlagen von ATN stehen dementsprechend hauptsächlich in Deutschland. Exportiert wurden Anlagen zu Produktionsstandorten in Österreich, Tschechien, der Slowakei, Bulgarien, der Ukraine, Spanien, Malta, Mexiko, Südafrika und Indien.
Sehr anschaulich und eindrucksvoll berichtete er von seinen Erfahrungen mit der Zusammenarbeit mit einem Hersteller von CD-Laufwerken, der seine Produktion zunächst nach Ungarn und von dort in die Ukraine verlagerte. Ungarische Techniker mussten dann denn Aufbau der Produktion in der Ukraine steuern und die Schulung der Mitarbeiter übernehmen. Die meisten Probleme ergaben sich vor allem in der Ukraine im Bereich der Infrastruktur im weitesten Sinne. Z.B. arbeiten die bekannten Paketzustellerfirmen nicht in der Ukraine, so dass wichtige Ersatzteile sehr kostenaufwändig durch Techniker der Firmen überbracht werden müssen, wobei oft durch langwierige Zollformalitäten weitere Produktionsausfälle / Kosten entstehen.
Für die Zukunft des Unternehmens sieht Dr. Niemeier folgende Schwerpunkte: Verstärkung der Zusammenarbeit mit Unternehmen vorwiegend in Berlin im Bereich der Produktion der maßgeschneiderten Anlagen, Ausbau des Vertriebs- und Kundenbetreuernetzes in den Standortgebieten der Anlagen sowie Ausdehnung des Absatzes nach West- und Südeuropa. Der asiatische und der nordamerikanische Markt werden voraussichtlich in der nächsten Zeit keine wesentliche Rolle für ATN spielen.